Sturzpads – je nach Hersteller auch Achspads, Achsslider, Crashpads, Achsschutz oder englisch Axle Slider genannt – sind die unscheinbarste Art, ein Motorrad vor Schäden zu bewahren, die richtig teuer werden. Sie sitzen auf den Radachsen, stehen seitlich ein Stück über und sind bei einem Umfaller das Erste, was Kontakt hat.
Was ein Sturzpad tut – und was nicht
Der entscheidende Punkt ist nicht die Härte, sondern das Gleiten. Ein Slider, der sich in den Asphalt krallt, hebelt die Kraft direkt in die Gabel oder die Schwinge. Einer, der rutscht, verteilt sie über eine längere Strecke und schleift sich dabei selbst ab. Deshalb ist ein Sturzpad ein Verschleißteil: Nach einem ordentlichen Rutscher ist es angeschliffen, und genau das war seine Aufgabe.
Ehrlich dazu: Bei hohem Tempo oder einem Überschlag ist die Wirkung begrenzt. Bei dem, was tatsächlich am häufigsten passiert – Umfaller im Stand, verpatztes Rangieren, ein Rutscher in der Kurve – macht es dagegen einen deutlichen Unterschied, ob der Motordeckel den Boden trifft oder ein Kunststoffkörper davor.
Wie sie befestigt werden
Bei Maschinen mit Hohlachse – dazu gehören fast alle Enduros und Supermotos – läuft eine Gewindestange durch die Achse hindurch. Auf jeder Seite kommt ein Slider darauf. Sicherungsmutter und Unterlegscheibe sind beim Druck schon in den Slider eingelassen, sodass sich beim Anziehen nichts mitdreht. Hat die Achse eine geschlossene Mutter, muss die aufgebohrt werden, damit die Stange durchpasst. Geschweißt oder umgebaut wird nichts.
Drei Bauarten gibt es. Der erste Slider hat einen Zapfen, der in die Hohlachse greift und ihn zentriert. Der zweite hat eine Sechskantfassung und stülpt sich über die vorhandene Achsmutter. Beim dritten ist es umgekehrt: Das Achsende steckt im Slider, er hat dafür eine runde Tasche, in die die Achse einfährt. Mutter und Unterlegscheibe rücken bei ihm weiter nach hinten, damit die Achse Platz hat.
Welche du brauchst, hängt davon ab, wie die Achse an deinem Motorrad endet – manchmal ist es vorn die eine und hinten die andere. Steht das Achsende deutlich über, ist die dritte Bauart die richtige: Du misst den Durchmesser des Achsendes und wie weit es hervorsteht, und wählst beides im Konfigurator. Den Durchmesser gibt es in Halbmillimeterschritten von 12 bis 28 mm, die Tiefe in fünf Stufen von 10 bis 30 mm.
M8 oder M10? Das musst du messen
Das ist die Frage, an der es am häufigsten scheitert, und die einzige, die dir kein Katalog beantwortet. Entscheidend ist die lichte Weite der Hohlachse – also der Innendurchmesser des Lochs, das durch sie hindurchgeht. Sie steht in keiner Teileliste, weil sie niemanden interessiert, solange man nichts hindurchstecken will.
So misst du es
- 1. Motorrad sicher aufbocken, sodass das Rad frei ist.
- 2. In die Achse hineinschauen: Geht ein Loch durch, ist es eine Hohlachse.
- 3. Mit dem Tiefenmaß eines Messschiebers oder einem Bohrer als Lehre den kleinsten Innendurchmesser bestimmen – nicht am aufgeweiteten Ende, sondern in der Mitte.
- 4. Im Zweifel den kleineren Wert nehmen. Eine M8-Stange passt überall dort, wo M10 passt.
Beide Größen sind bei uns dieselbe Konstruktion – nur die Aufnahme im Inneren ist eine andere: Bei M10 sitzt eine Mutter mit Schlüsselweite 17 im Slider, bei M8 eine mit Schlüsselweite 13. Du wählst es direkt oben auf der Produktseite aus.
Warum ASA und kein PLA
Ein Teil, das dauerhaft draußen bleibt, hat zwei Feinde: UV-Licht und Wärme. PLA – das gängigste 3D-Druck-Material – wird in der Sonne mit der Zeit spröde und verformt sich schon bei Temperaturen, wie sie in einem geschlossenen Koffer entstehen. Für ein Teil, dessen Sinn es ist, im entscheidenden Moment nicht zu zerspringen, ist das die falsche Wahl.
ASA ist dagegen schlagzäh und UV-stabil. Schlagzäh, UV-stabil, für draußen gemacht. Auf Wunsch gibt es ASA-CF mit Carbonfaser: steifer, dafür nur in Schwarz. Gedruckt wird mit FDM-3D-Druck, 0,12 mm Schichten.
Der eigentliche Vorteil des 3D-Drucks liegt aber woanders: Für jede Achsvariante bräuchte es sonst ein eigenes Werkzeug. Gedruckt kostet die zweite Variante genauso viel wie die erste – deshalb gibt es die Slider einzeln zusammenstellbar, statt nur in drei Standardgrößen.
Häufige Fragen
- Was bringen Sturzpads?
- Sie stehen seitlich über und berühren bei einem Umfaller oder einem Rutscher als Erstes den Boden. Der Slider gleitet dabei, statt sich zu verhaken – ein Teil der Energie geht in Abrieb statt in Gabel, Schwinge oder Motordeckel. Ein Sturzpad ist kein Panzer: Bei hohem Tempo oder einem Überschlag hilft es begrenzt. Bei dem, was tatsächlich am häufigsten passiert – Umfaller im Stand, verpatztes Rangieren, Rutscher in der Kurve – macht es einen deutlichen Unterschied.
- Muss ich für Sturzpads bohren?
- Am Motorrad meistens nicht. Die Pads werden mit einer Gewindestange durch die Hohlachse gespannt, Mutter und Unterlegscheibe sind beim Druck schon im Slider eingesetzt. Sitzt auf der Hohlachse aber eine geschlossene Achsmutter, wie zum Beispiel bei der KTM 690 SMC R, kommt die Stange nicht durch. Wer die Originalmutter weiterfahren will, muss sie dann aufbohren.
- Brauche ich M8 oder M10?
- Das entscheidet die lichte Weite deiner Hohlachse – also der Innendurchmesser des Lochs, das durch die Achse geht. Für eine M10-Stange braucht es mindestens 10,5 mm frei, für M8 mindestens 8,5 mm. Diese Zahl steht in keinem Teilekatalog; du musst sie am Fahrzeug messen.
- Warum ASA und nicht PLA?
- PLA wird in der Sonne mit der Zeit spröde und verzieht sich schon bei Temperaturen, wie sie im geschlossenen Koffer entstehen. ASA ist schlagzäh und UV-stabil und deshalb für Teile gemacht, die dauerhaft draußen bleiben.
Passt an deine Maschine?
Für die KTM 690, die Husqvarna 701 und die GasGas 700 ist der Satz im Konfigurator schon vorbereitet. Für alle anderen Maschinen stellst du die vier Slider selbst zusammen. Wie du dafür misst, steht im Beitrag Sturzpads richtig ausmessen.